Zecken-Saison im Herbst: Warum die Gefahr jetzt wieder steigt
Viele denken bei Zecken vor allem an den Frühling und Sommer – dabei erlebt der Gemeine Holzbock, die in Deutschland häufigste Zeckenart, im September und Oktober einen zweiten Aktivitätsschub. Wer durch Wälder, hohes Gras oder feuchtes Laub streift, sollte den Zeckenschutz deshalb auch jetzt nicht vernachlässigen. Aktuelle Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigen zudem: Das Risiko einer Infektion mit Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wächst in Deutschland weiter.
Zwei neue FSME-Risikogebiete in Deutschland
Für 2026 hat das RKI zwei neue FSME-Risikogebiete ausgewiesen: den Stadtkreis Halle (Saale) in Sachsen-Anhalt und den Landkreis Nordsachsen in Sachsen. Damit gibt es inzwischen 185 Risikogebiete bundesweit. Die höchste Dichte liegt weiterhin im Süden – vor allem in Bayern und Baden-Württemberg –, doch die Gebiete reichen zunehmend auch nach Hessen, Thüringen und Sachsen hinein. Im Jahr 2025 wurden 693 FSME-Fälle gemeldet, die dritthöchste Zahl seit Beginn der Erfassung im Jahr 2001.
FSME und Borreliose: zwei unterschiedliche Erkrankungen
Zecken können zwei ganz unterschiedliche Erreger übertragen. FSME wird durch ein Virus ausgelöst, das direkt beim Stich übertragen wird – schnelles Entfernen der Zecke schützt hier also nicht mehr vor einer Infektion. Die meisten FSME-Erkrankungen treten im Frühjahr und Sommer auf. Bei einem Teil der Betroffenen mit Beteiligung des Nervensystems bleiben Langzeitfolgen wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen oder Lähmungen zurück; etwa ein Prozent dieser schweren Verläufe endet tödlich.
Borreliose wird dagegen durch Bakterien verursacht und ist behandelbar. Ein typisches Frühzeichen ist die Wanderröte, ein sich ausbreitender roter Fleck oder Ring um die Einstichstelle, der bei 70 bis 90 Prozent der Infektionen auftritt – meist sieben bis zehn Tage, in einem Zeitfenster von drei bis 30 Tagen nach dem Stich. Teilweise kommen grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen hinzu. Behandelt wird mit Antibiotika, in der Regel Doxycyclin über zehn bis 14 Tage, bei weiteren Symptomen über 21 Tage. Spätfolgen entstehen fast ausschließlich dann, wenn die Wanderröte übersehen oder die Diagnose verschleppt wird.
Richtig reagieren nach einem Zeckenstich
Eine entdeckte Zecke sollte umgehend entfernt werden, etwa mit einer Zeckenzange oder -karte, möglichst nah an der Haut. Da FSME-Erreger bereits beim Stich übertragen werden, verhindert schnelles Entfernen zwar keine FSME-Infektion, senkt aber das Borreliose-Risiko, da die Bakterien meist erst nach einigen Stunden im Zeckendarm übertragen werden. Nach dem Entfernen sollte die Einstichstelle desinfiziert und über mehrere Wochen beobachtet werden. Bildet sich eine Rötung, die größer wird oder wandert, oder treten Fieber und Grippesymptome auf, ist ein Arztbesuch ratsam.
Impfschutz und Vorsorge
Die Ständige Impfkommission (STIKO) am RKI empfiehlt die FSME-Impfung allen Personen, die sich in Risikogebieten regelmäßig oder zeitweise im Freien aufhalten und dort Kontakt mit Zecken haben können. Für einen langfristigen Schutz sind drei Impfdosen innerhalb weniger Monate notwendig, danach reicht eine Auffrischung alle drei bis fünf Jahre. Gegen Borreliose gibt es bislang keine zugelassene Impfung – hier bleiben festes Schuhwerk, lange Kleidung, Insektenschutzmittel und das sorgfältige Absuchen des Körpers nach Aufenthalten im Grünen die wichtigsten Schutzmaßnahmen.
