Burn-out im Job: Woran Sie Überlastung früh erkennen

Wer abends erschöpft aufs Sofa sinkt und morgens schon vor dem ersten Kaffee an die Mails denkt, kennt das Gefühl: Der Job ist zu viel geworden. Wie verbreitet diese Sorge ist, zeigt eine aktuelle Befragung der Krankenkasse pronova BKK. Demnach schätzen 61 Prozent der Beschäftigten in Deutschland ihr eigenes Burn-out-Risiko als mittel oder hoch ein.

Was die Zahlen zeigen

Für die Studie „Arbeiten 2025“, über die Ende März 2026 berichtet wurde, wurden mehr als 1.200 Beschäftigte repräsentativ befragt. Jede dritte Person gab an, bereits selbst ein Burn-out erlebt zu haben. 40 Prozent haben eine solche Erschöpfung bei Kolleginnen oder Kollegen beobachtet. Rund die Hälfte kennt zudem das sogenannte Bore-out, also Erschöpfung durch Unterforderung, aus eigener Erfahrung oder aus dem Kollegenkreis.

Als Stressfaktoren, die gegenüber früher deutlich zugenommen haben, nennen die Befragten vor allem eine unfaire Aufgabenverteilung (32 Prozent), Bürokratie und rechtliche Anforderungen (26 Prozent) sowie ständige Erreichbarkeit (26 Prozent). Dass die Sorge kein neues Phänomen ist, zeigt ein Blick zurück. Bereits eine pronova-Umfrage aus dem Jahr 2018 hatte ergeben, dass sich fast neun von zehn Deutschen durch ihre Arbeit gestresst fühlen und sich jeder Zweite von einem Burn-out bedroht sieht. Beide Befragungen stammen von einer Krankenkasse und beruhen auf Selbsteinschätzungen. Sie zeigen, wie die Beschäftigten ihre Lage erleben, sind aber keine ärztlich gestellten Diagnosen.

Burn-out: Was damit gemeint ist

Burn-out ist keine eigenständige Krankheit im medizinischen Sinn. Die Weltgesundheitsorganisation führt es in der ICD-11 als arbeitsbezogenes Phänomen, das durch chronischen, nicht bewältigten Stress am Arbeitsplatz entsteht. Typisch sind ein Gefühl der Erschöpfung, wachsende innere Distanz oder Zynismus gegenüber der Arbeit und eine nachlassende Leistungsfähigkeit. Weil sich die Beschwerden mit einer Depression überschneiden können, gehört die Einordnung in ärztliche oder psychotherapeutische Hände.

Frühwarnzeichen erkennen

Fachleute nennen mehrere Signale, die über Wochen oder Monate anhalten und zusammen auftreten können: 

  • körperliche und emotionale Erschöpfung
  • anhaltende Schlafstörungen,
  • häufige Kopf- oder Rückenschmerzen sowie
  • Konzentrationsschwäche und nachlassende Leistung.

In der Befragung von 2018 berichteten außerdem 59 Prozent, sich zumindest manchmal innerlich angespannt zu fühlen, 54 Prozent grübelten über ihre Arbeit nach. Wer sich darin wiederfindet, muss nicht gleich ausgebrannt sein. Entscheidend ist, ob die Beschwerden vorübergehend sind oder sich verfestigen.

Was im Alltag entlasten kann

Zuerst hilft es, die eigenen Belastungen konkret zu benennen: Sind es die Menge der Aufgaben, unklare Zuständigkeiten, ständige Erreichbarkeit oder fehlende Anerkennung? Dann lässt sich gezielter ansetzen. Dazu gehören feste Feierabendzeiten, Pausen, in denen der Bildschirm ausbleibt, ein offenes Gespräch mit Vorgesetzten über die Aufgabenverteilung und ausreichend Schlaf und Bewegung. Die Studie sieht auch die Arbeitgeber in der Pflicht: faire Dienstplanung, weniger überflüssige Bürokratie und respektierte Ruhezeiten.

Wann Hilfe sinnvoll ist

Halten Erschöpfung, Schlafprobleme oder gedrückte Stimmung über Wochen an, ist die Hausarztpraxis eine gute erste Anlaufstelle. Sie kann körperliche Ursachen abklären und bei Bedarf an psychotherapeutische Angebote verweisen. Wer akut verzweifelt ist, findet rund um die Uhr Gehör bei der Telefonseelsorge (Deutschland: 0800 111 0 111), in Österreich unter 142 und in der Schweiz bei der "Dargebotenen Hand" unter 143.


Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.


Quellen
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