Grippe, RSV und Corona: Die Erkältungswelle 2026 rollt an – was jetzt wichtig ist

Husten, Schnupfen, Heiserkeit: In deutschen Arztpraxen und Apotheken ist die Herbstsaison der Atemwegsinfekte spürbar angekommen. Nach aktuellen Daten sind die Arztbesuche wegen akuter Atemwegserkrankungen innerhalb von vier Wochen um 14 Prozent gestiegen. Bundesweit rechnen Fachleute mit rund 800.000 betroffenen Besuchen pro Woche. Auch die Krankenhäuser spüren die Entwicklung: Die Auslastung der Intensivbetten liegt aktuell bei 77,8 Prozent und die Wartezeiten in Notaufnahmen sind mit rund 232 Minuten weiterhin erhöht.

Die aktuelle Lage laut RKI

Noch dominiert die Influenza das Geschehen, insbesondere die Variante A(H3N2), wobei die Fallzahlen zuletzt stabil blieben. Gleichzeitig registriert das Robert Koch-Institut erste Frühwarnzeichen für eine anrollende RSV-Welle: Sowohl der Nachweis des Virus als auch die Viruslast im Abwasser nehmen zu. Ein typisches Signal für den Beginn der RSV-Saison, die häufig auf den Grippe-Höhepunkt folgt oder sich mit ihm überschneidet.

Auch bei den Corona-Zahlen zeigt sich ein leichter Aufwärtstrend: Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt aktuell bei 0,4 Fällen je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern und steigt seit vier Wochen an, ebenso wie die im Abwasser gemessene Viruslast. In der vergangenen Meldewoche wurden zudem drei Todesfälle im Zusammenhang mit Corona erfasst. Ein Grund für die erhöhte Aufmerksamkeit: die neue, sich schnell ausbreitende Omikron-Sublinie BA.3.2 (auch als „Stratus" oder „Cicada" bezeichnet), die bei einigen Betroffenen zusätzlich zu den klassischen Symptomen eine auffällig heisere Stimme verursachen soll.

Erkältung, Grippe, RSV oder Corona – wie unterscheide ich das?

Eine sichere Unterscheidung allein anhand der Symptome ist schwierig bis unmöglich, denn mehr als 200 verschiedene Viren können ähnliche Beschwerden wie Halsschmerzen, Husten, Schnupfen und Fieber auslösen. Dennoch gibt es Anhaltspunkte, die Fachleute nennen:

  • Grippe (Influenza): plötzlicher Beginn, hohes Fieber, ausgeprägte Muskel- und Gliederschmerzen.
  • Erkältung (meist Rhinoviren): mildere, allmählich einsetzende Symptome wie Schnupfen und Halsschmerzen, ohne starkes Krankheitsgefühl.
  • RSV: bei Säuglingen und älteren Menschen häufig mit ausgeprägter Atemnot verbunden – hier ist besondere Vorsicht geboten.
  • Corona: sehr variables Bild; bei der aktuell kursierenden Variante wird auffällig oft über Heiserkeit berichtet. Wie die Grippe kann Covid-19 in selteneren Fällen auch auf Herz oder Lunge übergreifen.

Wer zu einer Risikogruppe gehört oder unsicher ist, sollte im Zweifel einen Schnelltest machen oder ärztlichen Rat einholen, statt sich allein auf die Symptome zu verlassen.

Wer ist besonders gefährdet?

Für Säuglinge und Kleinkinder kann RSV zu Bronchiolitis oder Lungenentzündung führen. Ältere Menschen sowie Personen mit chronischen Herz- oder Lungenerkrankungen tragen bei allen vier Erregern Grippe, RSV, Corona und in selteneren Fällen auch bei einer starken Erkältung ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf und Komplikationen.

Impfschutz und Vorbeugung

Die Grippeschutzimpfsaison 2026/27 hat begonnen, viele Praxen bieten aktuell Termine an. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung insbesondere für Menschen ab 60 Jahren, Schwangere, chronisch Kranke sowie medizinisches Personal. Der Impfschutz baut sich nach etwa zwei Wochen auf, weshalb ein früher Termin im Herbst sinnvoll ist. Gegen RSV stehen inzwischen monoklonale Antikörper (Nirsevimab) für Säuglinge sowie Impfstoffe für ältere Erwachsene zur Verfügung.

Darüber hinaus bleiben die altbekannten Alltagsmaßnahmen wirksam: regelmäßiges und gründliches Händewaschen, häufiges Stoßlüften geschlossener Räume sowie das Meiden engen Kontakts, wenn man selbst oder jemand in der Nähe erkältet ist.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Anlass zur ärztlichen Abklärung besteht bei hohem Fieber über mehr als drei Tage, zunehmender Atemnot, Schmerzen im Brustkorb oder wenn sich Symptome bei Risikogruppen – etwa Säuglingen, älteren oder chronisch kranken Menschen – deutlich verschlechtern.


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