Die aktuelle Hitzewelle hat in Deutschland bereits Temperaturen bis über 38 Grad gebracht, vereinzelt wird sogar die 40-Grad-Marke diskutiert. Für gesunde Erwachsene ist das unangenehm – für ältere Menschen kann es lebensbedrohlich werden. Schätzungen gehen davon aus, dass solche Hitzewellen allein in einer Stadt wie Berlin mehrere hundert zusätzliche Todesfälle verursachen können.
Der Grund liegt im alternden Körper selbst: Mit steigendem Lebensalter funktionieren die natürlichen Hitzeschutz-Mechanismen schlechter. Das Durstgefühl nimmt ab, die Fähigkeit zu schwitzen lässt nach, und das Herz-Kreislauf-System ist oft ohnehin schon belastet. Hinzu kommen Medikamente, die im Zusammenspiel mit Hitze zusätzliche Risiken bergen können.
Warum ältere Menschen besonders gefährdet sind
Mehrere Faktoren kommen im Alter zusammen:
- Vermindertes Durstgefühl: Der Körper signalisiert Flüssigkeitsmangel später – ein Mangel wird oft erst bemerkt, wenn er bereits ausgeprägt ist
- Geringerer Wasseranteil im Körper und nachlassende Nierenleistung, wodurch mehr Flüssigkeit verloren geht
- Eingeschränkte Wärmeregulierung: Schwitzen und die Erweiterung der Blutgefäße funktionieren weniger effizient
- Vorerkrankungen wie Herz-, Nieren- oder Kreislauferkrankungen, die sich bei Hitze verschlechtern können
Besonders gefährdet sind ältere Menschen, die allein leben, mobilitätseingeschränkt sind oder in schlecht beschatteten Wohnungen – etwa im Dachgeschoss – leben.
Trinken: Die wichtigste Maßnahme
Auch wenn der Durst fehlt: Der Körper braucht bei Hitze deutlich mehr Flüssigkeit. Als Faustregel gilt, über den Tag verteilt etwa zwei bis drei Liter zu trinken – verteilt über den Tag, nicht alles auf einmal.
Praktische Tipps:
- Die Tagestrinkmenge morgens abmessen und in Griffweite bereitstellen, um den Überblick zu behalten
- Wasser, ungesüßte Kräuter- und Früchtetees oder Saftschorlen (ein Teil Saft, drei Teile Wasser) eignen sich am besten
- Kühle, aber nicht eisgekühlte Getränke wählen – sehr kalte Getränke lassen das Durstgefühl schneller nachlassen
- Alkohol meiden, koffeinhaltige Getränke nur in Maßen
- Wichtig: Wer an einer Herz- oder Nierenerkrankung leidet, sollte die persönliche Trinkmenge unbedingt mit dem behandelnden Arzt abstimmen – hier gilt nicht automatisch „viel hilft viel“
Beim starken Schwitzen geht auch Natrium verloren, das für den Wasserhaushalt wichtig ist. Normal gesalzene Mahlzeiten helfen, diesen Verlust auszugleichen.
Medikamente: Ein oft übersehenes Risiko
Hitze und Medikamente können sich gegenseitig beeinflussen – in zwei Richtungen:
Hitze verändert die Wirkung von Medikamenten. Manche Wirkstoffe werden bei hohen Temperaturen schneller abgebaut oder verändert. Bei Flüssigkeitsmangel kann sich außerdem die Ausscheidung über Nieren und Leber verändern, wodurch Wirkungen und Nebenwirkungen stärker ausfallen können.
Manche Medikamente erhöhen das Hitzerisiko. Besonders relevant:
- Entwässerungsmittel (Diuretika) verstärken den Flüssigkeitsverlust zusätzlich
- Blutdrucksenker können die Anpassungsfähigkeit des Kreislaufs an Hitze beeinträchtigen
- Manche Medikamente hemmen das Schwitzen und damit die natürliche Kühlung des Körpers
Wer regelmäßig Medikamente gegen Bluthochdruck, Diabetes oder zur Entwässerung einnimmt, sollte vor oder während einer Hitzewelle mit der Hausärztin oder dem Hausarzt besprechen, ob Anpassungen sinnvoll sind. Medikamente sollten dabei niemals eigenmächtig abgesetzt oder in der Dosierung verändert werden.
Medikamente richtig lagern
Viele Arzneimittel vertragen keine Temperaturen über 25 Grad. Praktische Hinweise:
- Packungsbeilage zur Lagerung beachten
- Hitzeempfindliche Medikamente notfalls im Gemüsefach des Kühlschranks aufbewahren – nicht einfrieren
- Niemals in der prallen Sonne, im heißen Auto oder auf der Fensterbank liegen lassen
- Bei Wirkstoffpflastern beachten: Hitze erhöht die Hautdurchblutung, wodurch mehr Wirkstoff aufgenommen werden kann als beabsichtigt
Den Alltag an die Hitze anpassen
- Die heißeste Zeit zwischen 11 und 17 Uhr möglichst drinnen verbringen
- Aktivitäten in die kühleren Morgen- oder Abendstunden verlegen
- Leichte, luftige Kleidung tragen
- Regelmäßig mit feuchten Tüchern oder Wassersprays kühlen
- Lieber mehrere kleine, leichte Mahlzeiten statt schwerer Hauptmahlzeiten
Manche möchten an besonders schweißtreibenden Tagen ihre Mineralstoffversorgung zusätzlich unterstützen. Hierfür kann beispielsweise ein Magnesium-Komplex von feel nature concept eine sinnvolle Ergänzung zur ausreichenden Trinkmenge sein – ersetzt aber keine ärztliche Abklärung bei bestehenden Beschwerden oder Vorerkrankungen.
Aufeinander achten: Angehörige und Nachbarn einbeziehen
Hitze wird für allein lebende ältere Menschen besonders gefährlich, wenn niemand mitbekommt, wie es ihnen geht. Eine einfache Checkliste für Angehörige und Nachbarn:
- Mindestens einmal täglich nach dem Befinden fragen – persönlich, telefonisch oder per Nachricht
- Prüfen: Hat die Person ausreichend getrunken? Wie warm ist die Wohnung? Werden Medikamente richtig gelagert?
- Bei Bedarf Einkäufe übernehmen oder Getränke vorrätig halten
- Gemeinsam einen einfachen Hitzeschutzplan erstellen: Wer ruft an? Wer schaut vorbei?
Warnzeichen: Wann wird es ernst?
Folgende Symptome können auf eine beginnende Hitzeerschöpfung hinweisen:
- Schwindel, starke Müdigkeit, auffällige Schwäche
- Hoher Puls oder unregelmäßiger Herzschlag
- Blasse, feuchtkühle Haut, Muskelkrämpfe
- Verwirrtheit
Bei diesen Anzeichen sollte zügig ärztlicher Rat eingeholt werden. Bei Verdacht auf einen Sonnenstich empfiehlt das DRK, den Oberkörper erhöht zu lagern, den Kopf mit nassen Tüchern zu kühlen und Bewusstsein, Atmung und Lebenszeichen wiederholt zu kontrollieren. Im akuten Notfall – etwa bei Bewusstlosigkeit, hohem Fieber oder Verwirrtheit – sofort den Notruf 112 wählen.
Auf einen Blick: Hitze-Checkliste für Senioren
- 2–3 Liter über den Tag verteilt trinken, Trinkmenge bei Vorerkrankungen mit dem Arzt abstimmen
- Medikamentenplan bei Hitzewellen mit der Hausärztin oder dem Hausarzt besprechen
- Medikamente kühl und lichtgeschützt lagern
- Mittagshitze zwischen 11 und 17 Uhr meiden
- Tägliche Kontaktaufnahme bei alleinlebenden Angehörigen oder Nachbarn
