Long-COVID – ein unterschätztes Problem
Nach Angaben des Robert Koch-Instituts entwickeln etwa 10 bis 15 Prozent der Erwachsenen nach einer SARS-CoV-2-Infektion Long-COVID-typische Beschwerden – in Deutschland sind das Schätzungen zufolge über 1,5 Millionen Menschen. Am häufigsten berichten Betroffene von Erschöpfung (Fatigue), eingeschränkter Belastbarkeit, Konzentrations- und Gedächtnisproblemen sowie anhaltenden Atem- und Muskelbeschwerden. Bei den meisten bilden sich die Symptome innerhalb eines Jahres zurück, bei rund 15 Prozent der Betroffenen bestehen sie jedoch auch danach fort. Das Bundesforschungsministerium hat deshalb die „Nationale Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen“ ausgerufen und will bis 2036 rund 500 Millionen Euro in die Erforschung von Long-COVID und verwandten Erkrankungen investieren.
Was die Metformin-Studien zeigen
Grundlage der aktuellen Diskussion ist unter anderem die im Januar 2026 in „Clinical Infectious Diseases“ veröffentlichte Auswertung der ACTIV-6-Studie: Teilnehmende, die während einer akuten Corona-Infektion Metformin einnahmen, berichteten nach sechs Monaten rund 50 Prozent seltener von einem klinisch diagnostizierten Long-COVID als die Placebo-Gruppe. Eine frühere, vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bewertete Studie kam zu einem ähnlichen Ergebnis: Nach zehn Monaten lag die Long-COVID-Häufigkeit in der Metformin-Gruppe bei 6,3 Prozent, in der Placebo-Gruppe bei 10,4 Prozent – eine relative Risikoreduktion von rund 41 Prozent. Wirkstoffe wie Metformin gelten deshalb als vielversprechende Kandidaten für eine frühzeitige, kostengünstige Prävention.
Aber: Nicht bei jedem wirkt das Medikament gleich gut
Eine differenziertere Studie, die im April 2026 in der Deutschen Apotheker Zeitung besprochen wurde, relativiert die positiven Ergebnisse: Bei Erwachsenen mit niedrigem Risiko – meist Menschen mit bereits bestehender Immunität durch frühere Infektionen oder Impfungen – überschritt Metformin den vorab definierten Wirksamkeitsschwellenwert für anhaltende Post-COVID-Symptome nicht. In dieser randomisierten, placebokontrollierten Untersuchung schnitt stattdessen das Antidepressivum Fluvoxamin besser ab: Es reduzierte die Schwere der Fatigue-Symptome signifikant, während Metformin in dieser Konstellation enttäuschte. Die Daten deuten insgesamt darauf hin, dass Metformin vor allem bei Menschen mit höherem Ausgangsrisiko wirksam sein könnte – etwa bei Übergewicht oder bei bislang ungeimpften beziehungsweise erstmals infizierten Personen – und weniger bei ohnehin gut geschützten, gesunden Erwachsenen.
Was bedeutet das für Betroffene?
Für eine generelle Empfehlung ist die Datenlage nach Einschätzung von Fachleuten noch zu uneinheitlich. Metformin ist zudem verschreibungspflichtig und für die Anwendung bei akuten COVID-19-Infektionen bislang nicht zugelassen – ein Einsatz außerhalb der eigentlichen Zulassung (Off-Label-Use) erfolgt bisher nur im Rahmen von Studien oder in individuell begründeten Fällen, wie eine Bewertung des BfArM zu Metformin bei Long-COVID zeigt. Wer sich für eine akute Infektion mit erhöhtem persönlichem Risiko interessiert, sollte das Thema mit der behandelnden Arztpraxis besprechen, statt eigenmächtig zu einem Diabetes-Medikament zu greifen.
Fazit
Metformin ist kein Wundermittel gegen Long-COVID, aber ein ernstzunehmender Kandidat für die Prävention bei bestimmten Risikogruppen. Die Studienlage entwickelt sich derzeit dynamisch – weitere große, kontrollierte Studien werden in den kommenden Jahren zeigen, für wen der frühe Einsatz tatsächlich einen Unterschied macht.
Dieser Artikel wurde mithilfe von KI vorbereitet und anschließend redaktionell geprüft und überarbeitet.
