Sommergrippe: Warum wir trotz Hitze krank werden – und was wirklich hilft

Mitten in einer der intensivsten Hitzeperioden der letzten Jahre husten und schniefen plötzlich wieder viele Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Was viele überrascht: Erkältungssymptome im Hochsommer sind kein Einzelfall, sondern haben einen Namen – die sogenannte Sommergrippe. Sie ist gerade jetzt, nach der Rekord-Hitzewelle im Juni und angesichts anhaltend hoher Temperaturen, ein häufig gegoogeltes Thema.

Was ist eine Sommergrippe eigentlich?

Der Begriff ist irreführend: Trotz des Namens handelt es sich bei der Sommergrippe in aller Regel nicht um eine echte Influenza. „Bei dem, was landläufig als Sommergrippe bezeichnet wird, handelt es sich meist um einen grippalen Infekt durch andere Erreger als die eigentlichen Grippeviren“, erklärt Prof. Eva Hummers, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Verantwortlich sind vor allem Rhinoviren sowie sogenannte Enteroviren – insbesondere Coxsackie- und Echoviren –, die in den warmen Monaten ihre eigentliche Hochsaison haben.

Warum gerade jetzt so viele betroffen sind

Enterovirus-Infektionen treten in gemäßigten Klimazonen typischerweise zwischen Juli und September gehäuft auf, wie Daten der nationalen Enterovirus-Surveillance des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigen. Mehrere Faktoren begünstigen die Verbreitung in der Hitze zusätzlich: der ständige Wechsel zwischen aufgeheizten Außentemperaturen und stark heruntergekühlten, klimatisierten Innenräumen, häufigerer Aufenthalt in Schwimmbädern und Gemeinschaftseinrichtungen sowie ein Immunsystem, das durch Hitzestress, Flüssigkeitsmangel und Schlafstörungen in tropischen Nächten geschwächt sein kann.

Symptome: Wie unterscheidet sich die Sommergrippe von Erkältung und echter Grippe?

Die Sommergrippe beginnt meist schleichend mit Schnupfen, Halsschmerzen, Husten, Kopf- und Gliederschmerzen sowie leicht bis mäßig erhöhter Temperatur. Je nach auslösendem Erreger können zusätzlich Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Bauchschmerzen oder Durchfall hinzukommen – ein Hinweis auf Enteroviren, die auch den Darm befallen können. Die echte Influenza dagegen setzt typischerweise abrupt ein, mit hohem Fieber, ausgeprägtem Krankheitsgefühl und starken Gliederschmerzen. Sommergrippe und klassische Erkältung verlaufen in der Regel milder und klingen nach etwa fünf bis sieben Tagen von selbst wieder ab.

Was hilft – und wann sollte man zum Arzt?

Da gegen die meisten Erkältungsviren keine ursächlichen Medikamente existieren, steht die Linderung der Symptome im Vordergrund: viel trinken, Ruhe, Salzwasser-Gurgeln, Inhalieren sowie fiebersenkende Mittel bei Bedarf. Wichtig in der Hitze: Der Flüssigkeitsbedarf ist bei Fieber und hohen Außentemperaturen zusätzlich erhöht, weshalb Betroffene besonders auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten sollten. Ein Arztbesuch ist ratsam, wenn hohes Fieber länger als drei Tage anhält, sich die Beschwerden deutlich verschlechtern, Atemnot auftritt oder Risikogruppen wie Säuglinge, ältere Menschen oder Personen mit Vorerkrankungen betroffen sind.

Vorbeugen in der Hitze

Regelmäßiges Händewaschen, das Vermeiden extremer Temperaturschwankungen etwa durch zu stark eingestellte Klimaanlagen, ausreichend Schlaf sowie eine bewusste Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr helfen, das Immunsystem in der warmen Jahreszeit zu stärken. Wer ohnehin schon geschwächt ist – etwa durch die gesundheitlichen Belastungen der vorangegangenen Hitzewelle –, sollte Menschenansammlungen in schlecht belüfteten Räumen nach Möglichkeit meiden.

Fazit

Die Sommergrippe ist in den meisten Fällen harmlos, aber unangenehm – und in diesem Sommer angesichts extremer Temperaturen für viele ein zusätzlicher Belastungsfaktor. Wer die Unterschiede zur echten Grippe kennt und rechtzeitig auf Warnzeichen achtet, kann gelassener durch die Erkältungswelle im Hochsommer kommen.

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}
>