Erkältung, Grippe, Corona: Was gerade im Umlauf ist – und wer sich jetzt impfen lassen sollte

In vielen Büros, Klassenzimmern und Familien wird derzeit gehustet und geschnieft. Der Eindruck, dass „gerade alle krank sind“, ist weit verbreitet. Die Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) zeichnen allerdings ein nüchterneres Bild: Die Atemwegsaktivität ist für die Jahreszeit typisch, eine Grippewelle hat bislang nicht begonnen. Trotzdem beginnt jetzt das Zeitfenster, in dem sich der Impfschutz gegen Influenza am besten aufbauen lässt. Dieser Beitrag ordnet die aktuelle Lage ein und beantwortet die wichtigsten Fragen zur Grippeimpfung 2026/27.

Was das RKI aktuell meldet

Nach dem RKI-Wochenbericht für die Kalenderwoche 43 (19. bis 25. Oktober 2026) erkrankten in Deutschland rund 5,2 Millionen Menschen neu an einem akuten Atemwegsinfekt. Das entspricht etwa 6.200 Fällen pro 100.000 Einwohner. Rund 1,2 Millionen Menschen suchten deswegen eine Arztpraxis auf. Das RKI stuft die Aktivität als moderat und für die Jahreszeit typisch ein. Zum Vergleich: Gut 6 Prozent der Bevölkerung erkrankten Ende Oktober innerhalb einer Woche neu an einem Atemwegsinfekt, im Vorjahr waren es 6,1 Prozent, vor zwei Jahren 7,6 Prozent.

Die Hauptverursacher sind bislang klassische Erkältungsviren. In den Proben aus Arztpraxen wurden am häufigsten Rhino- und Enteroviren (43 Prozent) nachgewiesen, gefolgt von Parainfluenzaviren (14 Prozent) und Adenoviren (7 Prozent). Influenza-A-Viren, Influenza-B-Viren, saisonale Coronaviren und SARS-CoV-2 lagen jeweils bei etwa 3 Prozent. RSV und das humane Metapneumovirus wurden in dieser Woche nicht nachgewiesen. Zu beachten ist, dass die Stichprobe mit 76 Proben klein ist und die RKI-Zahlen Schätzungen darstellen, die nicht jeden Fall erfassen. Regional kann die Lage deshalb abweichen.

Grippe, Corona und der Blick ins Abwasser

Die Zahl der Influenza-Fälle ist in den vergangenen zwei Wochen nicht weiter gestiegen. Das Abwassermonitoring zeigt allerdings eine steigende Viruslast bei Influenza A und bei SARS-CoV-2, während die Last bei RSV und Influenza insgesamt niedrig bleibt. Corona zirkuliert laut RKI flächendeckend und hat zuletzt leicht zugenommen, liegt aber deutlich unter dem Niveau des Vorjahres. Anzeichen für eine ungewöhnlich frühe oder schwere Corona-Welle sehen die Fachleute derzeit nicht.

Wann eine Grippewelle offiziell beginnt, legt das RKI anhand der Nachweise über zwei Wochen fest. In den vergangenen Jahren war der Zeitpunkt sehr unterschiedlich: Im Jahr 2022 begann die Welle Ende Oktober, 2023 und 2024 im Dezember, 2025 Ende November. Ob die Saison 2026/27 früher oder später startet, ist offen. Für die Impfplanung gilt: Wer wartet, bis die Welle da ist, impft zu spät, denn der volle Schutz braucht Zeit.

Erkältung oder echte Grippe?

Im Alltag wird fast jeder Infekt „Grippe“ genannt. Medizinisch ist die echte Grippe, die Influenza, aber eine eigenständige Erkrankung, die in der Regel plötzlich mit hohem Fieber, starken Glieder- und Kopfschmerzen und ausgeprägtem Krankheitsgefühl beginnt. Eine Erkältung entwickelt sich meist schleichender und verläuft milder. Das erklärt, warum die Impfung gegen Influenza nicht vor Schnupfen und Husten schützt: Sie wirkt nur gegen Grippeviren, nicht gegen die Rhinoviren und anderen Erkältungserreger, die gerade dominieren. Bei hohem Fieber, Atemnot oder einem Verlauf, der sich nach einigen Tagen deutlich verschlechtert, sollten Betroffene ärztlichen Rat einholen.

Wer sich impfen lassen sollte

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die jährliche Grippeimpfung allen Menschen ab 60 Jahren, auch ohne Vorerkrankung. Unabhängig vom Alter gilt die Empfehlung außerdem für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Grunderkrankungen, sofern sie mindestens sechs Monate alt sind. Dazu zählen zum Beispiel Asthma, COPD, chronische Herz-, Leber- oder Nierenleiden, Diabetes, starkes Übergewicht (BMI ab 30), bestimmte neurologische Erkrankungen oder eine geschwächte Immunabwehr. Ebenfalls empfohlen wird die Impfung Schwangeren ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel, bei erhöhtem Risiko schon ab dem ersten, sowie Bewohnerinnen und Bewohnern von Pflegeeinrichtungen. Hinzu kommen enge Kontaktpersonen von Risikopersonen, Beschäftigte mit erhöhtem beruflichem Risiko wie medizinisches Personal und Menschen mit häufigem Kontakt zu Geflügel, Schweinen, Wildvögeln oder Robben.

Gesunde Erwachsene unter 60 Jahren ohne weiteren Grund gehören nicht zur Empfehlungsgruppe. Die STIKO rät ihnen aber auch nicht von der Impfung ab; wer sich schützen möchte, kann dies mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen.

Welche Impfstoffe es 2026/27 gibt

Für die Saison stehen laut Fachmedien acht Impfstoffe zur Verfügung, alle als Dreifachimpfstoffe. Seit 2024/25 empfiehlt die STIKO nur noch diese Variante, weil der Influenza-B-Stamm Yamagata nicht mehr natürlich zirkuliert. Alle drei Impfstämme wurden gegenüber der Vorsaison ausgetauscht.

Für Erwachsene unter 60 und für Kinder stehen Standardimpfstoffe zur Verfügung, darunter Influsplit, Influvac, Vaxigrip und Xanaflu, die auf Hühnerei basieren, sowie Flucelvax, der in Säugetierzellkulturen hergestellt wird und damit unabhängig von Hühnereiern ist. Für Ältere gibt es wirkverstärkte Impfstoffe: Efluelda enthält eine höhere Antigenmenge (60 statt 15 Mikrogramm je Antigen) und ist ab 60 Jahren zugelassen, Fluad enthält den Wirkverstärker MF59 und ist ab 50 Jahren zugelassen. Die STIKO empfiehlt Menschen ab 60 gleichwertig einen Hochdosis- oder einen adjuvantierten Impfstoff. Kinder und Jugendliche von 2 bis 17 Jahren können alternativ den Nasenspray-Impfstoff Fluenz erhalten, was bei ausgeprägter Spritzenangst eine Option ist. In der Schwangerschaft ist Vaxigrip ausdrücklich zugelassen; er schützt die werdende Mutter und über mütterliche Antikörper auch das Neugeborene. Bei Vaxigrip wurden zuletzt Lieferverzögerungen gemeldet, während Fluad und Flucelvax bereits ausgeliefert werden.

Der richtige Zeitpunkt

Das RKI nennt Oktober bis Mitte Dezember als Zeitfenster für die Impfung. Der Schutz baut sich in etwa zehn bis vierzehn Tagen auf. Wer noch nicht geimpft ist, hat also jetzt gute Gründe, den Termin zu vereinbaren. Auch eine Nachholimpfung kann nach Beginn einer Grippewelle noch sinnvoll sein.

Wie gut schützt die Impfung – und welche Nebenwirkungen gibt es?

Die Impfung bietet keinen vollständigen Schutz; Geimpfte können trotzdem erkranken. Eine verlässliche Schutzquote für die Saison 2026/27 gibt es vorab nicht, weil sich die Wirksamkeit erst im Verlauf der Saison abschätzen lässt und von der Übereinstimmung zwischen Impf- und zirkulierenden Viren abhängt. Typische Reaktionen sind Schmerzen, Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle, gelegentlich auch Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen oder Fieber. Sie klingen meist nach wenigen Tagen ab. Schwere allergische Reaktionen sind sehr selten. Bei Atemnot oder Kreislaufproblemen gilt der Notruf 112.

Wer zahlt – und wo wird geimpft?

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Impfung für die Gruppen, die in der Schutzimpfungs-Richtlinie genannt sind. Für Erwachsene ist sie dann auch in teilnehmenden Apotheken kostenfrei. Manche Kassen zahlen freiwillig auch für weitere Versicherte, eine Nachfrage vorab lohnt sich. Privatversicherte zahlen zunächst selbst und bekommen die Kosten je nach Tarif erstattet. Betriebliche Impfangebote regeln Arbeitgeber unterschiedlich.

Teilnehmende Apotheken impfen Erwachsene ab 18 Jahren, allerdings bietet nicht jede Apotheke das an. Mitgebracht werden sollten Gesundheitskarte, möglichst der Impfausweis und eine aktuelle Medikamentenliste. Nach der Impfung wird eine Beobachtung von mindestens 15 Minuten empfohlen. Für Kinder bleibt die Arztpraxis die Anlaufstelle.

Grippe- und Corona-Impfung am selben Tag?

Bei den üblichen Totimpfstoffen ist eine gleichzeitige Gabe möglich, meist in unterschiedliche Arme. Vorübergehende Impfreaktionen können dabei häufiger auftreten. Wer unsicher ist, ob eine Corona-Auffrischung für ihn empfohlen ist, sollte dies in der Praxis oder Apotheke klären.

Fazit

Die aktuelle Atemwegswelle ist von Erkältungsviren geprägt und für die Jahreszeit nicht ungewöhnlich. Die Grippe hat noch nicht richtig begonnen, doch die Abwasserdaten deuten auf steigende Influenza-A-Aktivität hin. Für Menschen ab 60, chronisch Kranke, Schwangere und Beschäftigte in Risikoberufen ist jetzt ein guter Zeitpunkt für die Impfung. Alle anderen können mit der Hausärztin oder dem Hausarzt abwägen. Hygiene, Lüften und Zuhause bleiben bei Krankheit bleiben für alle sinnvolle Ergänzungen.

Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.

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