Wetterfühligkeit im Herbst: Warum Tiefdruck uns zusetzt – und was hilft

Mal ist es mild, dann schlägt das Wetter binnen Stunden um. Im Herbst klagen viele Menschen über Kopfschmerzen, Schwindel oder bleierne Müdigkeit. Hinter dem Phänomen steckt mehr als Einbildung.

Was ist Wetterfühligkeit?

Als wetterfühlig gelten Menschen, bei denen Wetterwechsel spürbare Beschwerden auslösen. Schwankende Temperaturen sowie Veränderungen von Luftdruck oder Luftfeuchtigkeit können den Körper überfordern. Fachleute betonen, dass die Beschwerden real sind. Es handelt sich nicht um Einbildung. Der Begriff beschreibt dabei kein eigenes Krankheitsbild, sondern eine Reaktion des Organismus auf Reize, an die er sich erst anpassen muss.

Im Herbst treten die Probleme gehäuft auf, weil Tiefdruckgebiete, Temperatursprünge und kürzere Tage häufig zusammenfallen. Ein Teil der Beschwerden, etwa die Müdigkeit, dürfte zusätzlich mit dem abnehmenden Tageslicht zusammenhängen.

Typische Beschwerden

Zu den häufigen Symptomen zählen Kreislaufprobleme, Schwindelgefühl und ein allgemeines Unwohlsein. Viele Betroffene berichten außerdem von Kopfschmerzen, Müdigkeit und Gelenkbeschwerden. Wie stark die Reaktion ausfällt, ist individuell sehr verschieden.

Wer ist besonders betroffen?

Meist trifft es ältere Menschen sowie Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Rheuma, Asthma oder Herz-Kreislauf-Problemen. Auch bei zu hohem oder zu niedrigem Blutdruck reagiert der Körper empfindlicher.

Die Deutsche Herzstiftung weist darauf hin, dass sich die Blutgefäße bei plötzlich sinkenden Temperaturen verengen können. Bei Bluthochdruck können sich die Beschwerden dadurch verstärken, und das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall steigt. Wer Herz-Kreislauf-Vorerkrankungen hat, sollte Warnzeichen daher ernst nehmen.

Was hilft?

Zur Vorbeugung empfiehlt Prof. Martin Scherer, Direktor des Instituts und der Poliklinik für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), tägliche Spaziergänge im Freien bei jedem Wetter. So gewöhnt sich der Körper an Temperaturwechsel. Auch Wechselduschen und Saunagänge können laut Deutscher Herzstiftung vorbeugend wirken, wobei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen dies vorher ärztlich klären sollten.

Hilfreich ist zudem ein Blick in die Vorhersage: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) bietet kostenlos Gefahrenindizes für Wetterfühligkeit in elf Regionen an. Sie lassen sich nach Beschwerdebild filtern (Befinden, Asthma, Herz-Kreislauf, Rheuma) und zeigen die Prognose für heute, morgen und übermorgen. Wer weiß, dass ein Umschwung bevorsteht, kann Termine anpassen und sich schonen.

Wann zum Arzt?

Halten die Beschwerden nach einem Wetterumschwung länger an, sollte man ärztlichen Rat einholen. Denn hinter Schwindel, Kopfschmerzen oder Kreislaufproblemen können auch andere Ursachen stecken. Bei plötzlichen starken Brustschmerzen, Atemnot, Lähmungen oder Sprachstörungen gilt: sofort den Notruf wählen.

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.

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